LIFESTYLE

Wie ich wurde, was ich bin – Mein Weg zur Weinlöwin

Als Kind der 70er wachse ich behütet mitten im Sozialismus auf. Meine alleinerziehende Mutter will aus mir eine Rechtsanwältin haben. Ich möchte stattdessen Schriftstellerin oder Schauspielerin werden. Oder Journalistin. Oder Fotografin. Oder doch lieber Lehrerin? Bloß nichts so langweiliges wie Rechtsanwältin! Und was ist aus mir, einer typischen kreativen Scanner-Persönlichkeit geworden? Hier nun die 19 wichtigsten Stationen in meinem Leben auf meinem Weg zur Weinbloggerin und Influencerin. 

1 // Mitte der 70er Jahre – Ich erblicke das Licht der Welt. In der schönen Stadt Bratislava, am Rande des Kleinkarpatischen Weingebiets. Und so hatte ich von Klein auf bereits sehr nah zum Wein. Schulausflüge in unterschiedliche Weinbaubetriebe gehören damals zum Pflichtprogramm und ich bin jedes Mal begeistert zu sehen, mit welcher Leidenschaft und Hingabe die Winzer ihre Weine produzieren.     

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Ein Blick aus den Weinbergen auf meine Geburtsstadt Bratislava, Hauptstadt der Slowakei

2 // Mitte der 80er Jahre – Ich fange an deutsche Sprache zu lernen und zu lieben.  Die letzten zwei Jahre wurden wir in der Schule regelmäßig befragt, was wir später werden möchten. Meine Antwort war jedes Mal ziemlich eindeutig: Lehrerin! Meine Lehrerinnen sind große Vorbilder für mich und ich will so sein wie sie. Ich bin davon beeindruckt, wieviel meine Lehrerinnen wissen und das will ich auch: viel Wissen zu haben! Und es anderen Mitmenschen zu vermitteln und es mit ihnen teilen.  

3 // Mitte der 90er Jahre – Ich beginne BWL zu studieren. Für mich ist seit langem klar, dass ich studieren möchte. Ich liebe die Sprachen und will Lehrerin für slowakische und deutsche Sprache werden. Meine Mutter ist davon gar nicht begeistert, denn Lehrer verdienen zu wenig und ich solle mich für einen Beruf entscheiden, in dem man überdurchschnittlich gut verdient. Unter dieser „Bedingung“ ist dann einzig und allein der Beruf als Dolmetscherin und Übersetzerin für mich vorstellbar. Da ist wiederum meine Klassenlehrerin nicht ganz so begeistert davon. Sie sagt einen Satz an den ich mich heute noch erinnere und der meinen ganzen späteren Werdegang prägt:

„Dolmetschen und Übersetzen ist überhaupt nicht kreativ. Du wiedergibst nur Inhalte, die Andere schreiben oder sagen. Da kannst Du nichts von Dir dazugeben. Studiere lieber BWL, so kannst du dich später immer noch entscheiden, wohin dein Weg geht.“

4 // April 1997: Tschüß Mama! Ich wandere jetzt nach Deutschland aus! Zwei Monate vor meinem 21. Geburtstag ziehe ich aus dem mütterlichen Haus aus. Und plötzlich fühle ich diesen magischen Moment: ich kann machen und tun, was ich will! Und was tue ich? Ich lebe! Ich geniesse einfach mein Leben!  

5 // Jahrtausendwechsel: Mein Herz schlägt für Marketing und Personalentwicklung. Während des Studiums bin ich Feuer und Flamme für die Themen wie Personalentwicklung einerseits und Marketing andererseits. Für meinen Marketingprofessor bin ich aber viel zu kreativ, meine Seminararbeiten seien mehr Werbetexte als wissenschaftliche Arbeiten, so dass ich immer die schlechtesten Noten bekomme. Ich ahne aber immer noch nichts von meiner Kreativität.

6 // Juli 2004: Ich gründe meine Marketing- und Beratungsagentur. Ich träume von einer eigenen Werbeagentur. Ich denke, nicht kreativ genug für so etwas zu sein und organisiere Messebeteiligungen für deutsche Firmen im Ausland. Ich bin ein leidenschaftlicher Organisations-Genie! Ich liebe zwischen Menschen aus verschiedenen Ländern zu vermitteln. Ich kann dabei sowohl dolmetschen als auch übersetzen. Ich merke aber, dass das für mich tatsächlich etwas langweilig ist. Ich möchte etwas eigenes schaffen, eigene Spuren hinterlassen.     

7 // Oktober 2007: Es folgt eine sehr intensive Arbeitszeit. Ich bekomme einen großen Auftrag von dem größten deutschen Automobilhersteller und lande für die nächsten 7,5 Jahre in der Automobilbranche. Ich leite große Projekte, mache eine Weiterbildung nach der anderen, da ich ja wissensdurstig bzw. wissenssüchtig bin. Ich reise viel und um Kontakt mit allen meinen Freunden auch über die Grenzen hinaus zu halten, entdecke ich Facebook!  

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Das ist mein erster Fotobeitrag auf Facebook. Ich habe ihn am 01. Dezember 2009 veröffentlicht.

8 // Herbst 2009: Ich unternehme meine erste Weinreise in die Toskana. Es ist eine Gruppenreise für Singles. Es geht mir nicht darum, mich zu verkuppeln, sondern mit Gleichgesinnten zu Reisen, Essen, Weinschmecken, Kochen und Genießen. Das ist das, was ich zum Atmen brauche. Vielleicht sollte ich doch lieber Reiseagentur gründen oder Reiseleiterin werden? Inzwischen beende ich erfolgreich meine Coachingausbildung, in der es auch darum geht, welche Tätigkeit würde mich selber eigentlich glücklich und zufrieden machen? Das Ergebnis: Ich solle Veranstalterin von Genussevents werden! Und das mache ich auch in meiner Freizeit. Ich gründe auf XING die Gruppe „Wien kocht auf!“ und unter dem Namen EPICUREAN organisiere ich einmal im Monat Kochevents in Wien.   

9 // Herbst 2010: Ich nehme mir ein Jahr Auszeit von der Arbeit. Ich arbeite die letzten drei Jahre sehr intensiv und jette durch die Weltgeschichte. Nun möchte ich Zeit für mich und meine Hobbys haben. Wein spielt dabei eine wichtige Rolle. Ich sammle jede Weinzeitschrift, die es damals auf dem Markt gibt, probiere die besten Tröpfchen, die dort empfohlen wurden. Ich reise oft in meine alte Heimat und bringe immer wieder die tollsten Weine mit, die ich bei verschiedenen Weinevents entdeckt habe. Meine Freunde und Bekannte kommen in den Genuss, diese ausgesuchten erlesene Weine bei mir probieren zu dürfen.

10 // Anfang 2012: Weine aus der Slowakei und ein Gourmetkoch. Ich veranstalte wieder eine private Weinprobe für meinen kleinen Weinfreundeclub. Diesmal ist mein zukünftiger Ehemann auch dabei, den ich – wo den sonnst – bei einem Kochevent in Braunschweig vor einem Jahr traf und kennenlernte. Ein Gourmetkoch! Ich bin von ihm uns seinen Kochkünsten hin und weg. Und frage ihn, ob er für meine Weinverkostung die kulinarische Begleitung übernehmen möchte. Seitdem sind wir ein unzertrennliches Team privat und später auch geschäftlich.

11 // Ende August 2012: Ich fange an zu bloggen. Da mein größtes Hobby Kochen und Backen ist, lese ich viele Food- und Genussblogs. Ich bin fasziniert, von der Schönheit der Foodfotos und von der wunderschönen Gestaltung mancher Blogs. Ich sage mir, dass kann ich bestimmt auch und fange selber an über Food & Genuss zu bloggen. Endlich kann ich mich kreativ austoben! Zudem wollte ich unabhängig vom Facebook sein und eine eigene Plattform haben. Anfangs war mein Blog für mich eine Art vom digitalen Rezept- und Tagebuch. Ich bekomme aber eine gut bezahlte Anstellung angeboten und ich nehme das Angebot an Ich stürze mich wieder voll in die Arbeit und Bloggen bleibt mein Hobby, der meine ganze Freizeit ausfüllt. 

12 // Mai 2014: Gourmetkoch und Foodbloggerin. Inzwischen bin ich seit einem Jahr mit dem besten Gourmetkoch aller Zeiten verheiratet und ich reise als Foodbloggerin zusammen mit ihm nach London zu einer internationalen Foodblogger-Konferenz und zur London Wine Fair. Ich fühle mich in meinem Element: Reisen, Fotografieren, Bloggen, Weine probieren, Essen und Genießen: Ich stelle immer wieder fest. Das ist einfach meins. Lebensfreude pur! Das Leben ist einfach schön. Ende 2014 ziehen wir endlich in die Stadt vollen Möglichkeiten – nach Berlin!   

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13 // Mitte 2015: Meine Welt bricht zusammen. Ich denke erstmal einen Burnout erlitten zu haben. Ich werde für mehrere Monate krank geschrieben und wurde schließlich gekündigt. Das reisst mir den Boden unter den Füßen weg. Es stellt sich aber heraus, dass  hinter meinem Burnout mehr steckt. Dann kommt die Hiobsbotschaft: Ich kann meinen Beruf als Beraterin, Trainerin und Coach nicht mehr ausüben, da ich aus gesundheitlichen Gründen mit den Anderen nicht mehr mithalten kann. Ich brauche noch fast zwei Jahre um einigermaßen wieder auf die Füße zu kommen.   

14 // Mitte 2016: Ich denke über berufliche Umorientierung nach. Wenn das nicht die Gelegenheit ist, endlich was Kreatives beruflich zu machen, wann dann? Nach einer schweren Operation mit anschließender mehrwöchentlichen Rehamaßnahme  entdecke ich meine Leidenschaft für die sozialen Medien und bin fasziniert von den Möglichkeiten, die sie bieten. Endlich sind meine begrenzten kreativen Fähigkeiten ausreichend um sich bei Facebook und Instagram austoben zu können. 

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15 // Frühling 2018: Zeit für Neuanfang. Da ich die letzen zwei Jahre vergeblich versuchte, eine Umschulung zu einer Mediengestalterin anfangen zu dürfen, muss eine neue Festanstellung gefunden werden, da meine finanziellen Reserven ziemlich knapp geworden sind. Ich werde in der Immobilienbrache tätig, stelle aber  nach ein paar Monaten fest, das ist nichts für mich. Ich brenne für Social Media, möchte wieder mit dem Bloggen anfangen, suche aber noch mein eigentliches Thema, ich blogge mal über dies, mal über das. Ich spüre, es fühlt noch nicht ganz rund an, irgendwas fehlt. Und in der Silvesternacht 2018 kommt die Erleuchtung. Mein Mann und ich werden ein kleines Geschäft für Kochbegeisterte und anspruchsvolle Hobbyköche eröffnen!

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16 // Frühling 2019: Unser Traum wird wahr! Viele halten uns für total bekloppt, als wir in einer kleinen Stadt ein Ladengeschäft eröffnen und wir deswegen jedes Wochenende von Berlin nach Quedlinburg pendeln um unsere Ware an die Kunden zu bringen. Da der Laden gut läuft, beschließt mein Mann im Herbst 2019, dass wir spätestens im Frühling 2020 aus Berlin wegziehen und nach Quedlinburg unseren Lebensmittelpunkt verlagern. Für mich ist es eine Horrorvorstellung aus Berlin wegzuziehen!   

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17 // Frühling 2020: Der Alptraum wird wahr! Nicht nur, dass wir im Februar 2020 tatsächlich aus Berlin wegziehen, kommt Mitte März 2020 gleich die nächste große Katastrophe: Wir müssen auf unbestimmte Zeit den Laden schließen! Das Leben wird massiv eingeschränkt, man darf keine Menschen treffen und ich bin verzweifelt in einer neuen unbekannten Geisterstadt gefangen. Wir sollen monatelang die Wohnung und die Stadt nicht verlassen. Mitte April dann die erlösende Nachricht für mich: Ich habe einen Job in Berlin bekommen und darf zum ersten Juni anfangen. Ich verlasse Quedlinburg und darf wieder nach Berlin zurück.

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18 // Herbst 2021: Ich bin in Berlin endlich ganz angekommen und fasse beruflich Fuß im öffentlichen Dienst. Unter der gegebenen Umständen, ist es die Rettung für mich! Während das Leben fast still steht, fahre ich an den meisten Wochenenden zu meinem Mann nach Quedlinburg, wo er unseren inzwischen wieder gutlaufenden Laden führt. Der öffentlich Stillstand – für mich eine unerträgliche Zeit. Und diesmal habe ich eine Lösung gegen die Langeweile. Ich starte einen neuen Blog. Diesmal mit meinem Herzensthema: WEIN! Das ist es!!! Wieso bin ich nicht schon viel früher darauf gekommen?     

19 // Heute: Endlich bin ich eins mit mir. Als Weinbloggerin kann ich nämlich alles das sein, was ich schon immer sein wollte: Wissensvermittlerin, Schriftstellerin, Journalistin, Schauspielerin, Fotografin, Mediengestalterin. Wer hätte gedacht, dass es eigentlich so einfach ist, mehrere „Berufe“ unter ein Hut zu bekommen. Und das schönste dabei ist, dass ich alle diese Dinge nicht beruflich machen muss, sondern kann es mir leisten als meine Hobbys betreiben zu dürfen. Dafür bin ich heute sehr dankbar.    

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Ein Dankeschön. 

Dieser Beitrag ist dank der Unterstützung von Judith Peters im Rahmen der BoomBoomBlog-Challenge 2022 entstanden. 

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